Jede Großmutter kennt dieses Ritual: Bevor man ein Glas Himbeer- oder Johannisbeermarmelade öffnet, muss man einen Holzlöffel finden.
Es scheint nur ein Aberglaube zu sein, aber dahinter steckt ein subtiler chemischer Kampf, den das Metall in der zerbrechlichen Welt der eingemachten Früchte ankündigt, berichtet der Korrespondent von .
Die Säuren in Beeren und Früchten reagieren mit der Metalloberfläche eines Löffels oder Messers, vor allem, wenn sie aus billigem Edelstahl oder, noch schlimmer, aus Aluminium bestehen.
Diese Reaktion kann der Konfitüre einen subtilen, aber unangenehmen Metallgeschmack verleihen, der sich mit jedem neuen Löffel verstärkt und den wahren Geschmack allmählich verfälscht.
Holz ist ein inertes Material. Es kommt nicht mit Säure und Zucker in Konflikt, so dass diese ihre ursprüngliche, reine Geschmacksnote beibehalten können.
Außerdem scheint die poröse Struktur des Holzes das Aroma der Beeren zu absorbieren, so dass ein Lieblingslöffel nach Jahren von selbst nach Sommer zu duften beginnt und Teil einer Familientradition wird.
Sie sollten einen Löffel mit langem Stiel verwenden, nicht nur einen Stock. Dank seiner Form kann man den Boden des Glases vorsichtig erreichen, ohne die süße Masse an den Rändern des Halses zu verschmieren, was Schimmel verhindert. Das ist ein einfaches, aber geniales Werkzeug, das sich seit Generationen bewährt hat.
Probieren Sie die Marmelade einmal mit einem Metall- und einmal mit einem alten Holzteelöffel. Der Unterschied liegt weniger im Geschmack als im Nachgeschmack – im ersten Fall kann ein leichtes, unangenehmes Gefühl auf der Zunge entstehen, im zweiten Fall nur pure Süße und Beerenaroma.
Diese Regel gilt auch für andere säurehaltige Lebensmittel – Essiggurken, Marinaden, einige Soßen. Ein Holzspatel zum Umrühren, ein Holzlöffel zum Probieren – das ist kein Atavismus, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten der Erhaltung des Geschmacks, der nicht dem kalten, seelenlosen Metall anvertraut werden sollte.
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